Brauchen IT-Startups noch Risikokapital?
Vor zwei Tagen wurde ich via Twitter auf den t3n-Artikel Existenzgründung: Braucht man heute noch Venture Capital? aufmerksam. Ich hab mir den Artikel sofort durchgelesen, da er thematisch gerade super in mein Studium passt. Dort haben wir im Rahmen von E-Business und Projektmanagement natürlich auch Themen wie Fremdkapital und Finanzierung behandelt.
Bei einem simuliertes E-Business-Projekt ist meine Gruppe (auch ohne t3n) zu dem Schluss gekommen, dass ein IT-Startup zunächst ohne Risikokapital gegründet werden kann. Hierfür muss jedoch sichergestellt sein, dass die Projektbeteiligten entweder so viel Zeit haben, dass sie das Startup neben ihrer täglichen Arbeit hochziehen können, oder dass sie auch ohne regelmäßige Einnahmequelle für das Startup arbeiten können.
Für ein IT-Startup ist demnach erst einmal das Know-How viel wichtiger als reine finanzielle Mittel. Mit der richtigen Idee und einer guten Umsetzung können Projekte anfänglich noch auf günstigen vServern oder vielleicht sogar kostenlos in der Cloud (z.B. Google App Engine oder Amazon EC2) gestartet werden. Mit einer cleveren Werbestrategie (z.B. virales Marketing) und etwas Glück benötigt man nicht einmal größere Budgets, um sein Startup bekannt zu machen.
Später muss der Dienst natürlich leistungstechnisch mit der Nutzeranzahl skalieren. Im besten Falle kann man diese Kosten dann jedoch bereits durch die Einnahmen decken.
Und nun noch Fragen an euch:
- Wie seht ihr die Thematik?
- Habt ihr schonmal mit dem Gedanken gespielt, ein eigenes Startup zu gründen?
22 Kommentare
Ich denke, es kommt wirklich auf das Business an, in dem ein Startup gründet. Wenn jemand eine E-Commerce-Plattform aufbaut oder eine Softwarefirma, dann braucht er natürlich nicht viel Kapital für Produktionsmittel etc. Wenn aber jemand im technischen Bereich gründet, dann schon. Das läuft ja heute meistens so, dass solche Unternehmen aus Hochschulen oder Fraunhofer Instituten ausgegründet werden und dann staatliche Förderungen beantragen (EXIST). Wenn keine Fördermittel bewilligt werden, hat das Projekt aufgrund des hohen Bedarfs an Startkapital kaum Chancen. (Und zu dem Zeitpunkt sind bereits größere Summen in die F&E geflossen!) An dieser Stelle ist VC durchaus gefragt.
@Sebastian: Stimmt, das hätte ich noch dazu schreiben sollen. Ich bin natürlich von IT-Startups ausgegangen
Hehe. Ich hab den Artikel mal etwas angepasst, damit klar wird, dass ich von IT-Startups ausgehe
Jetzt ist es verständlich *daumenhoch*
Heeeeeeey Sebastian, abschreiben ohne Quellenangabe geht nicht! Ganz schön frech…
Eigentlich hast Du schon alles dazu geschrieben, Patrick. Größere Kapitalmengen braucht man zu Beginn eigentlich nicht. (Übrigens brauchen die wenigsten Gründer richtig viel Geld: laut aktuellem KfW-Gründungsmonitor brauchen 46% unter 5000€ und 75% bleiben unter einem Kapitalbedarf von 25.000€). Das decken die meisten mit eigenem Kapital oder mit dem von Ehemann/Papa/etc. ab.)
Geld braucht man erst zum Skalieren oder für´s Marketing, das kommt dann wieder darauf an, wie sehr man wachsen will, was man für Argumente hat (richtig gute Geschäftsideen verbreiten natürlich durch Empfehlung besser), usw. Aber das hast du ja auch schon geschrieben.
@Sebastian: Jetzt weiß ich, wie du immer so schnell deine Projekte für das Studium anfertigst
@Frederike: Hältst du es für möglich, dass sich ein IT-Startup ohne jegliches Kapital etablieren kann, wenn man die richtigen Kontakte (z.B. Blogosphäre) hat und am Anfang nur über die Blogosphäre, Communities, YouTube und Co. Werbung betreibt? Prämisse für diese Frage soll die Vernachlässigung von Kosten für den Lebensunterhalt, die Hardware und den Webserver sein.
@Patrick: Das kommt jetzt darauf an, was Du unter “etablieren” verstehst.
Ich denke, grundsätzlich sind die Kontakte und Multiplikatoren ganz wichtig und natürlich auf die Idee/das know-how der Betreiber. Wenn Du ein einzigartiges Produkt hast, dann wird sich das etablieren, das größere Problem ist dann, ob es sich auch monetarisieren lässt… (z.B. der CCleaner ist ziemlich bekannt, ich kann mich aber nicht entsinnen, schon mal irgendwo Werbung gesehen zu haben)
Das nächste Thema ist, dass “kostenlose” Werbung über Social Networks, Blogs, etc. nicht kostenlos ist, weil ja Arbeitskraft hinein investiert wird, und das nicht zu knapp.
D.h. wenn Du es selber machst, hast Du ja keine Zeit, Dich um Dein IT-Produkt zu kümmern.
Inwieweit offline-Kontakte notwendig sind, vermag ich nicht zu sagen, aber gerade Journalisten telefonieren noch lieber als dass sie nur mailen. Hilfreich sind sie auf jeden Fall.
Und es gehört, denke ich, auch ein bisschen Glück dazu, von den richtigen Leuten gefunden und weiterposaunt zu werden.
Wie gesagt, es kommt jetzt darauf an, was genau Du unter “etablieren” verstehst, aber klar, prinzipiell ist es möglich, über das Netz ohne kommerzielle Werbung große Bekanntheit zu erlangen.
Mit etablieren meine ich halt das jeweilige Produkt bekannt zu machen und damit Benutzer zu gewinnen und natürlich auch zu halten.
Wie bekannt, wie viele Benutzer? Ziele müssen operationalisiert und messbar sein. Weißte doch.
Was hältst Du von meinem CCleaner-Bsp? Noch besser ist eigentlich Linux. Ich meine, die Distributionen werden beworben, aber ich glaube nicht, dass das Original-”Produkt” jemals in einer kommerziellen Werbung aufgetaucht ist.
Hmm CCleaner ist kein gutes Beispiel. Ich hab mir gerade nochmal die Webseite angeschaut. Bis auf einen Donate-Button finde ich dort keinerlei Erlösmöglichkeiten für die Piriform Ltd. Vielleicht erledigen die sonst Auftragsarbeiten, das wird jedoch nicht aus der Seite ersichtlich.
Bei einem Produkt/Service muss man sich natürlich von vornherein Gedanken über Zielgruppe und Erlösmodell machen. Die große Frage ist hierbei natürlich, ob die Leute auch bereit sind, für meinen Dienst/mein Produkt zu zahlen.
Würde Twitter Geld verlangen, hätte sich Twitter niemals zu dem entwickelt, was es jetzt ist. Dasselbe gilt ebenso für GNU/Linux. Für Twitter kommt wahrscheinlich nur Werbung in Frage, bei GNU/Linux kann durch den Support und andere Dienstleistungen verdient werden.
Ich würde gerne noch länger schreiben, bin nur gerade an einer Semesterarbeit beschäftigt, die eilt…
Ah, okay. das hatte ich jetzt nicht so verstanden. Ich hatte ja das Problem der Monetarisierung angesprochen aber da du nicht darauf reagiert hast, dachte ich, es geht dir wirklich nur um Bekanntheit. Dafür waren die Beispiele gedacht.
Hmm ich denke, da steht uns ein Umbruch bevor. Viele Leute finden Bezahlen im Internet noch umständlich, aber ich denke, das ändert sich gerade. Ich bin da selber nicht besser, also wenn ich in Artikeldatenbanken auf kostenpflichtige Artikel stoße, dann zögere ich nicht wegen der 2 Euro sondern überhaupt wegen Nummer angeben usw. *räusper* Ich denke wirklich, in spätestens 10 Jahren zögert da kein Mensch unter 40 mehr. Und ich denke, Leute sind auch bereit, eher kleine Beträge zu zahlen, wenn sie etwas sinnvoll finden, da könnte man dann den longtail nutzen. Für großere Beträge musst Du schon eine Reputation haben (oder eine GANZ außergewöhnliche Leistung).
Hmmm… also ich weiß nicht, mir fallen jetzt nur so Programme wie Campfire oder aktuell Memonic ein, da hab ich noch nie eine Werbung gesehen. Captcha-Ad vielleicht?
Ich denke, am wichtigsten ist es, Bekanntheit aufzubauen über Erwähnung in größeren Blogs und wenn möglich Artikel in Onlinemagazinen. (CHIP)
Oh Mann, so ein schönes Wochenende und eine Semesterarbeit natürlich in letzter Sekunde… ja, wer kennt das nicht… ich hoffe, Du kommst gut voran!
davon abgesehen glaube ich im übrigen nicht, dass man für ein IT-Produkt Venture Capital kriegt.
Das Problem ist weniger die Semersterarbeit an sich, sondern die dazu kommenden 3 Klausuren nächste Woche :-/
Vor allem auf IT-Service Management freue ich mich *ironie*
ITIL ist nicht gerade das schönste Thema der Welt
@Frederike: Doch, da gibt es verschiedenste Projekte, die VC bekommen. Spontan fällt mir diese Gruppe ein, die Facebook etc Konkurrenz machen will. Der Name ist mir gerade entfallen, aber die haben nen ordentliches Sümmchen VC bekommen.
Auch aktuell ist HackFwd, das doch genau auf solche Projekte abzielt.
es heißt diaspora.
Die haben aber kein Venture Capital bekommen sondern das ist durch Crowdfunding quasi gesponsort worden.
Na gut, HackFwd ist eher ein Inkubator, die wollen mit Know-How helfen, Projekte zur Marktreife zu führen. Aber sie bezahlen den Gründern auch Gehalt, das stimmt, also kann man das schon als VC bezeichnen. Überzeugt.
… die Klausuren… dazu kann ich nur sagen “this too shall pass…” packst du schon!
Bei IT Servicemanagement (ITSM) bin ich mir da nicht so sicher, aber E-Business und Marketing sollten eigentlich beim ersten Versuch bestanden werden
Blöderweise ist ITSM natürlich gleich die erste Klausur, die wir schreiben (Montag).
hmm, falsche reihenfolge, das stimmt… ich drück die daumen
Das du dir auch immer ins Hemd machen musst bei den Klausuren Patrick
einfach Augen zu und durch. Wenns schief geht gibs doch ncoh 2 weitere Versuche.
Hrhrhr bist ja doch noch online
Och das ist ja garnicht das Problem. Nur beim ersten Mal bestehen ist halt entspannter, dann kann man das einfach abhaken
Teuer ist nicht die Technik… sondern das Personal…. Lohnkosten sind die Kosten, die das Kapital verzehren…. Sie sind hoch und sie sind einfach WEG. Raus aus dem Büchern!!! Die meisten Firmen brauchen kein VC oder keine Kredite. Sie brauchen eine 3 Jahresbefreiung von Lohn und Lohnnebenkosten. Hier KANN der Staat zum Inkubator werden – wenn er denn wollte ….
Jedoch treibt der Staat die Unternehmer lieber in die Hände der Banken… Wenn man zu einer Bank gehen muss, dann sollte man zu einer muslimischen Bank gehen. Der Ehrenkodex und die Scharia sind verdammt interessant, wenn man NICHT in eine Abhängigkeit kommen will.
Bei zwei Projekten haben wir eine risikofreie und partnerschaftliche Finanzierung mit Islamischen Banken hinbekommen bei denen die BANK das Risiko zu einem Grossteil trägt….
@aneas Das meinte ich mit: “Das nächste Thema ist, dass “kostenlose” Werbung über Social Networks, Blogs, etc. nicht kostenlos ist, weil ja Arbeitskraft hinein investiert wird, und das nicht zu knapp. D.h. wenn Du es selber machst, hast Du ja keine Zeit, Dich um Dein IT-Produkt zu kümmern.”(25. Juni 2010 um 16:29)
Wenn es um den Lohn geht, so gibt es die Möglichkeit, einen Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld vom Staat zu bekommen (auch aus einer Anstellung heraus). Da muss man sich eben ein bisschen kümmern, aber es ist möglich.
Aber eine Befreiung von Lohnnebenkosten für eine gewisse Zeit könnte man durchaus mal anregen.